Aktuelles:


Jahresband „Die Ortenau 2011“ ist erschienen

Jedes Jahr im Oktober ist es wieder soweit: Rechtzeitig zur Jahreshauptversammlung des
Historischen Vereins für Mittelbaden e.V. werden den Mitgliedergruppen die druckfrischen Jahrbücher zugestellt und zügig an alle Vereinsmitglieder verteilt. Statt des früher charakteristischen beigefarbenen Einbands ist der Umschlag seit 2010 in einem leuchtenden, freundlichen Rot gehalten. Die neue Aufmachung möchte zusätzlich zu den bisherigen treuen Mitgliedern weitere geschichts- und heimatinteressierte Leser ansprechen.

Bei Durchsicht des gut 600seitigen Bandes bestätigt sich der Eindruck, dass die Verfasser der
fundierten Beiträge und der Redakteur wieder gute Arbeit geleistet haben. Das Schwerpunktthema des Jahrbuches 2011 beschäftigt sich mit „Unternehmens- und Unternehmergeschichte in Mittelbaden“, dazu gibt es wie gewohnt eine Fülle freier Beiträge zu unterschiedlichen geschichtlichen Epochen und Ereignissen.

Nachdem im vergangenen Jahr Dr. Helmut Horn in einem spannenden Beitrag seine Forschungen zur Herkunft des Flussnamens „Kinzig“ darlegte, enthält die aktuelle Ausgabe der „Ortenau“ mit einer aufschlussreichen Arbeit von Dr. Hans Harter wiederum einen Artikel eines Schiltacher Geschichtsexperten. Entsprechend dem Leitthema berichtet er ausführlich von unternehmerischen Aktivitäten Schiltacher Schiffer, die sich ab den 1830er Jahren zusehends Richtung Süden orientierten und dabei neue Betätigungsfelder an Wutach, Hochrhein und Bodensee fanden. Harter richtet seine Aufmerksamkeit diesmal bewusst auf die Kapitalgeber, die Gesellschafter und Holzhändler. Er erläutert anschaulich die Gründung der Wutach-Floß-Gesellschaft, die immensen Anstrengungen zur Floßbarmachung von Wutach und Steina und zeigt die Gründe auf, warum das Unternehmen letztlich doch scheiterte. Auch Bemühungen um neue Geldgeber brachten keinen dauerhaften Erfolg. Erschwerend kam hinzu, dass billigeres Holz aus Oberschwaben und dem Allgäu seinen Weg über Bodensee und Hochrhein nach Basel nahm und ernsthaft mit dem Schwarzwaldholz konkurrierte. Im Gegenzug öffnete die Inbetriebnahme des Rhein-Rhone-Kanals den Tannen- und Fichtenstämmen aus dem Südschwarzwald aber auch den Weg bis ans Mittelmeer.

Der Autor portraitiert anschaulich einzelne Schiltacher Unternehmerpersönlichkeiten und spannt schließlich den Bogen zum ausgehenden 19. Jahrhundert, als enormer technischer Fortschritt und das damit verbundene unausweichliche Vordringen der Eisenbahn das Ende der jahrhundertealten Form des Holztransports zu Wasser besiegelten.

Die Verleihung der Verdienstmedaille der Stadt Schiltach an einen verdienten Heimatforscher, die Besprechung des Bandes „Schiltach – Lieder und Gedichte“ sowie der Tätigkeitsbericht der Mitgliedergruppe Schiltach sind weitere Beiträge mit engem Bezug zum oberen Kinzigtal.

„Die Ortenau“ 2011 kann über den Buchhandel oder den Initiativkreis des Historischen Vereins erworben werden. Die Mitglieder erhielten den Jahresband zum Vorzugspreis, denn der Bezug ist im Jahresbeitrag bereits enthalten. Gerne können Sie auch über unsere Homepage HYPERLINK "http://www.geschichte-schiltach.de"
www.geschichte-schiltach.de mit uns in Kontakt treten. (rm)


Aus der Mitgliederversammlung im Gasthof „Sonne“


Am 14. Januar lud der Historische Verein Schiltach seine Mitglieder zur Jahresversammlung ein, die allen Interessierten einen Rückblick auf 2010 und einen Ausblick aufs laufende Jahr bieten wollte. Peter Rottenburger als Sprecher des Initiativkreises hieß die Zuhörer herzlich willkommen, namentlich konnte er Herrn Bürgermeister Haas und Frau Götz vom Förderverein Stadtmuseum aus Hornberg (Nachbarverein innerhalb des Historischen Vereins für Mittelbaden e.V.) begrüßen.

Schriftführer Reinhard Mahn gab anschließend einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten des Vereins im vergangenen Jahr. Zum einen waren dies Sitzungen des Initiativkreises und des Ausschusses für die Neugestaltung des „Museum am Markt“, zum anderen eine ganze Reihe von Veranstaltungen, die, sofern sie öffentlich waren, einen regen Zuspruch verzeichnen konnten:


- Vortrag über „Die Flößerei im obersten Kinzigtal“ mit Karl-Martin Hummel

- Erkundung der Burgruine Irslingen mit Heimatfreunden aus Irslingen, ergänzt durch fachkundige Erläuterungen zum Geschlecht der „Urslinger“ von Dr. Hans Harter

- Vortrag „1810 – Schiltach wird großherzoglich badisch“ mit Dr. Hans Harter

- Ausstellung „Schiltach 200 Jahre bei Baden“ (einschließlich Postkartenausstellung) im Rathausfoyer anlässlich des Stadtfestes

- Erster „Stammtisch der Geschichtsfreunde“

- Mitwirkung am Kinderferienprogramm unter dem Motto: „Schiltach – Burg und Stadt“

- Zum „Tag des Denkmals“ Referate von Peter Rottenburger, Dr. Hans Harter und Carsten Kohlmann sowie Wanderung entlang der ehemaligen Bahnstrecke Schiltach-Schramberg

- Vortrag und Exkursion: „Heinrich Hansjakob und das Obere Kinzigtal“ mit Klaus Grimm

- Wiederholung unserer Ausstellung im Rathausfoyer anlässlich des Bauernmarktes

- Teilnahme an den Feierlichkeiten „100 Jahre Historischer Verein für Mittelbaden“ in Offenburg

Peter Rottenburger nahm anschließend verschiedene der angesprochenen Punkte auf, gab Erläuterungen zum neuen Museumskonzept und leitete zum Ausblick auf die geplanten Veranstaltungen und Themen im Jahr 2011 über. Dabei konnte er bereits die folgenden, fest eingeplanten Termine ankündigen:


18.03.11 Vortrag: „Kloster Alpirsbach – Gründung und Geschichte“
in Schenkenzell mit Dr. Hans Harter

19.03.11 Exkursion mit dem Referenten als Ergänzung zum voran- gegangenen Vortrag (Anmeldung bei der VHS erforderlich!)

27.05.11 Vortrag: Sprachwissenschaftliche Erklärungsansätze für die
Namen „Kinzig“ und „Schiltach“ mit Dr. Helmut Horn

18.11.11 Vortrag: „Die Familie Karlin – Familien- und Firmengeschichte“
mit Peter Brand

Die Leitung und Gestaltung des Kinderferienprogramms wird erstmals unser Mitglied Klaus Grimm übernehmen. Auch die Nutzung und Ausgestaltung der im Laufe des Sommers zurück erwarteten restaurierten roten Triebwagen wird die Aufmerksam des Vereins erfordern.

Ein zentrales Thema für den Initiativkreis wird jedoch die Beschäftigung mit einem düsteren Kapitel der Zeitgeschichte sein. Die Mitglieder haben sich vorgenommen, die Zeitspanne beginnend mit der Weltwirtschaftskrise über das „Dritte Reich“ bis zum Ende der Besatzungszeit, also etwa die Jahre 1929-1949 genauer unter die Lupe zu nehmen und für unsere Region möglichst Stück für Stück aufzuarbeiten. Über die Ansätze zu diesem Vorhaben finden derzeit erste Gespräche statt.

Mit Spannung wurde anschließend ein kurzweiliges und informatives Referat von Dr. Hans Harter erwartet, das sich dem Thema „Großherzog Friedrich I von Baden und die Schiltacher Flößer“ widmete und den Zuhörern viel Insider-Wissen zum Verhältnis der Schiltacher und Lehengerichter zu ihrem Herrscherhaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermittelte. Ergänzt wurden diese Fakten durch seltene und wenig bekannte frühe Fotografien. Ausschnitte aus diesem Vortrag wurden am Mittwoch, den 09. Februar 2011 vom Autor auf der Schiltach-Seite des „Schwarzwälder Boten“ veröffentlicht. Der gesamte Vortrag ist auch als Audio-Mitschnitt auf dieser Homepage www.geschichte-schiltach.de („Themen“) nachzuhören.

Zum Abschluss ergriff Bürgermeister Haas das Wort, würdigte die Arbeit des Historischen Vereins, wies gleichzeitig auf weitere mögliche Betätigungsfelder hin und machte damit deutlich, dass es auch in Zukunft genügend Themen für eine erfolgreiche Vereinsarbeit geben werde.

01. Februar 2011

Reinhard Mahn, Schriftführer


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Bilder: Rolf Rombach




1810 – 2010: Schiltach 200 Jahre bei Baden
Der Historische Verein erinnert an Ereignisse von großer Tragweite



Das Jahr 1810 markiert in der Geschichte Schiltachs einen nicht zu unterschätzenden Einschnitt. Nach Jahrhunderte langer prägender Zugehörigkeit zur Herrschaft Württemberg kamen - als direkte Auswirkung napoleonischer Politik - neben weiteren Gebieten auch große Teile des Oberamts Hornberg und damit auch unsere Heimatstadt an das Großherzogtum Baden. Zuvor bewirkten im deutschen Südwesten bereits Säkularisierung und Mediatisierung innerhalb weniger Jahre die Auflösung zahlloser kleiner und kleinster Herrschaften. Kirchliche Territorien und die ehemals Freien Reichsstädte verloren Privilegien und ihre Unabhängigkeit. Am Ende dieser Entwicklung standen ein wesentlich vergrößertes und deutlich nach Norden, Osten und Süden erweitertes Königreich Württemberg und ein um ein Vielfaches ausgedehntes Großherzogtum Baden, das sich nun vom Bodensee den Rhein entlang bis an den Main erstreckte. Daneben blieb im Südwesten lediglich das mit Preußen verbundene Hohenzollern vorläufig als eigenständiges politisches Gebilde bestehen.

Unmittelbarer Anlass für die nun eingeleiteten Grenzkorrekturen war der Pariser Vertrag vom 2. Oktober 1810, dessen Inkrafttreten sich vor wenigen Tagen zum 200. Mal jährte. Dieser Staatsvertrag wurde unter der Federführung Frankreichs und nach erklärtem Willen Napoleons zwischen Gesandten des württembergischen und badischen Herrscherhauses nach langen und zähen Verhandlungen erreicht. Er beschreibt u.a. die vereinbarten Gebietsabtretungen Württembergs und verzeichnet akribisch Ämter, Gemeinden, Weiler und Höfe, die entlang der württembergisch-badischen Grenze die Herrschaft wechseln sollten. Von den Maßnahmen entlang der gemeinsamen Grenze waren gemäß Vertragstext etwa fünfundvierzigtausend „Seelen“ betroffen. Zur Kompensation dieses Zugewinns musste Baden Territorien an seinen nördlichen Nachbarn, das Großherzogtum Hessen, abgeben.

Vom damals württembergischen Oberamt Hornberg gingen die Städte Hornberg und Schiltach mit Lehengericht sowie die (Stabs-)Gemeinden Gutach, Kirnbach, Reichenbach, Langenschiltach, Tennenbronn, St. Georgen, Buchenberg, Königsfeld, Peterzell, Mönchweiler, Brigach, Kirnach, Weiler und Stockburg an das Großherzogtum Baden über. Dies zog eine Neustrukturierung der badischen Verwaltung nach sich, was für die Stadt Schiltach mit Lehengericht nun die allmähliche Loslösung von Hornberg und die schrittweise Zuordnung zum Amt Wolfach bedeutete. Der Amtsbezirk Wolfach wiederum war dem mittelbadischen Kinzigkreis angegliedert.

Erst die vom Oberamt Hornberg ins Großherzogtum eingebrachten Gebiete entlang der Gutach ermöglichten es, innerhalb der neuen badischen Landesgrenzen die bedeutende Straßenverbindung (heute: B33) von Offenburg über den Schwarzwald nach Villingen und weiter nach Konstanz zu schaffen und damit die seit 1803 hinzu gekommenen südlichen und südöstlichen Landesteile besser an das politische Zentrum in Karlsruhe anzubinden. Jahre später folgte die Eisenbahn („Schwarzwaldbahn“)in etwa der gleichen Trasse.

Zum Stadtfestwochenende im Juni dieses Jahres präsentierte der Historische Verein eine vielbeachtete Ausstellung über den Zeitraum der letzten 200 Jahre. Schwerpunkt war die Geschichte und Entwicklung der Stadt im Großherzogtum Baden von 1810 bis 1918 und danach als Bestandteil des Landes Baden bis in die Gegenwart. Mitglieder des Initiativkreises trugen dazu – unterstützt durch Mitarbeiter des Stadtarchivs – zeitgeschichtliches Kartenmaterial, Bilder, Fotografien, Urkunden, Stadtansichten und weitere interessante Exponate zusammen und versahen die Ausstellungsstücke mit ergänzenden Texten.

Auf vielfachen Wunsch wurde die Ausstellung rund um den Bauernmarkt nochmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Bogen der Themen spannte sich dabei von den politischen Rahmenbedingungen und territorialen Veränderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der Loslösung des Lehengerichts, dem Kirchenbau und der Revolution über den Besuch von Großherzog Friedrich I. im Jahre 1858 und die Reichsgründung 1871 über die Ausrufung der Republik im Jahre 1918 bis zur „Gleichschaltung der Länder“ 1933. Ein Blick auf das aus einem Teil der französischen Besatzungszone hervorgegangene Nachkriegs-Bundesland (Süd-)Baden mit seinem Staatspräsidenten Leo Wohleb, die Gründung des „Südweststaats“ Baden-Württembergs sowie die Kreis- und Gemeindereform zu Beginn der 70er Jahre, die das Lehengericht wieder mit Schiltach vereinigte, schlossen den Kreis.

Eine umfangreiche Präsentation historischer Postkarten und Ansichten aus Schiltach und Lehengericht ergänzte den geschichtlichen Überblick und zeigte eindrücklich die Veränderungen auf, denen Stadt und Landschaft in den vergangenen 130 Jahren ausgesetzt waren.

Der Initiativkreis des Historischen Vereins bedankt sich für das gezeigte große Interesse und die positiven Rückmeldungen.

Schiltach, im Januar 2011

Reinhard Mahn
Schriftführer